Guido Bartz


Geboren 1966 in Wuppertal und aufgewachsen im Rheinland in der Nähe von Köln, interessierte er sich schon immer für die Literatur und das Schreiben. Nach dem Abitur mit Deutsch-Leistungskurs folgte anstelle eines Germanistikstudiums ein Abschluss als Diplom-Informatiker an der Universität Koblenz. Als solcher tätig seit 1993 bis heute. Geschieden, zwei Kinder, lebt er in der Ost-Eifel.

  
Zahlreiche Texte, aber ausschließlich private Veröffentlichungen, seit 2015 Teilnehmer der Literaturwerkstatt VHS Neuwied unter der Leitung von Ulrich Bergmann.

Strudel


Als ich erwachte, stand der Tag vor meinem Bett, groß und schwer und unüberwindbar. Ich stöhnte auf, wälzte mich von links nach rechts, die bleierne Schwere in mir nahm zu. Die Augen schließend, gab ich mich ihr hin.


Als ich erwachte, schmeichelte der Tag mir, lockte mich, wisperte mir Versprechen ins Ohr. Ich aber wusste, dass er nicht die Wahrheit sprach, dass es sein würde, wie gestern oder vorgestern, wie immer. Unfähig aufzustehen, stieß ich ihn weg und schlief wieder ein.


Als ich erwachte, saß der Tag in der Ecke des Zimmers, zusammengesunken und weinte. Aber auch darauf fiel ich nicht herein, selbst wenn ich gewollt hätte, aufstehen war mir nicht möglich. Ich drehte mich weg, ertrug seinen Anblick nicht, hielt mir die Ohren zu und dämmerte weg.


Als ich erwachte, kniete der Tag auf meinem Bett, zerrte an meinen Armen und Beinen, wollte mich aus dem Bett reißen. Ich wehrte mich verzweifelt, wir rangen miteinander bis ich wieder in der Schwärze versank.

  

Als ich erwachte, war der Tag verschwunden. Schlaftrunken sah ich mich um, das Zimmer blieb leer. Eine unergründliche schwere Schwärze kam, zog mich in ihren Bann, strudelnd sank ich, zog sie mich nach unten, in die Tiefe.


© Guido Bartz, November 2015

 

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